Va bene!

Manzini - SchriftDer schöne Name MANZINI lässt ein italienisches Restaurant vermuten. Aber das wäre zu einfach, darum gesellt sich hier französische Lebensart dazu. Den Ausspruch Va bene für: gut, einverstanden, in Ordnung, stimmt so, hört man darum vom Personal  häufig. Das Publikum ist auf alle Sprachen eingestellt und auch hier in Berlin-Wilmersdorf international. Das Besondere wird langsam selten, ist aber in diesem Bistro als italienisch-französische Botschaft auf der ganzen Linie spürbar.

Paris, Rom und Berlin mischen sich bereits auf der Morgen-Terrasse bei Café Crème, Cappuccino und Spiegeleiern mit Speck. Auch Bauernfrühstück/Petit déjeuner compagnard wird um diese Zeit schon gern genommen. Hinter den ausgebreiteten Manzini - KellnerMorgenzeitungen stecken kluge Köpfe und leere Mägen. Parmaschinken, Mortadella, Salami, Bel Paese und Mozzarella schmecken zu Baguette und Butter aus der Normandie. Der Übergang zum Mittagessen ist hier fließend. Die feine Küche wird vom Kudamm-Publikum, Business-Leuten der Umgebung und Anwohnern gleichermaßen geschätzt.

Ein schönes Merkmal des MANZINI sind die überaus freundlichen Kellner, die klassisch gekleidet sind: weiße Hemden, schwarze Weste und Fliege, lange Schürze. Das rosa gebratene Lammfilet mit Rosmarin an Oliven-Kartoffelpüree und Ratatouille schmeckt dann gleich doppelt gut. Natürlich gibt es eine Karte mit Tagesgerichten, auf der sich Manzinis Fischsuppe mit Croutons und Aioli, Safran-Risotto und feine Fisch- und Fleisch-Gerichte finden lassen. Liebevolle und gekonnte Zubereitung erklärt den Andrang – auch zur Mittagszeit.

Manzini - ServietteIn den kurzen Zwischenzeiten müssen die gebügelten Stoffservietten gefaltet werden. Dabei können Barmann und Kellner ein wenig aus den Nähkästchen plaudern und unter dem porösen Siegel der Verschwiegenheit erzählen, welche berühmten Gäste das MANZINI zum zweiten Wohnzimmer erklärt haben: Daniel Barenboim kommt gern mit Familie. Die Fans des runden Leders können auch schon mal mit Jogi Löw beim Speisen rechnen. Hier ist das alles möglich. Es gibt sicher zahllose Histörchen von prominenten Essern. Einer von ihnen soll nach einer Familientafel am Sonntag gesagt haben: „Nach den guten Speisen hier kann man allen Menschen verzeihen, sogar den eigenen Verwandten“.

Manzini - BamannEinem anderen Zitat zufolge gibt es Menschen, die das Wenige, was sie essen, trinken. Für Aperitif-Fans ist die Blaue Stunde, so ab 17.00 Uhr, der Wegweiser ins Glück. Zum  ersten Sancerre oder Chablis des Tages aus dem vorgekühlten Glas wird ein Schälchen mit Crudité/rohem Gemüse serviert. Welch ein Genuss, den Tag so ausklingen zu lassen und den Abend in der italienisch-französischen Botschaft zu beginnen. Die Italien-Fans trinken naturalemente Gavi aus dem Piemont oder einen ligurischen Vermentino in ihrem Lieblings-Bistro jenseits der pulsierenden Hauptstraßen.

Bevor die Abendessen-Verabredung eintrifft, ist eine Information über die Herkunft des so sehr geliebten Wortes BISTRO möglich. Natürlich denken viele: typisch französisch. Weit gefehlt. Es ist aus dem Russischen entlehnt und bedeutet schnell.  Im Zuge der Manzini - GedeckBefreiungskriege gegen Napoleon (1816-18) war Paris von russischen Soldaten besetzt, die es scheinbar eilig hatten und in den Schankstuben ihrem Wunsch nach schneller Bedienung Ausdruck gaben; sie riefen dem Personal „Bystro, bystro“ zu. Heute versteht man darunter ein kleines Lokal im französischen Stil ohne übertriebene Einrichtung. Das trifft auch fürs MANZINI zu: es ist gemütlich und hat alles, was man braucht. Keine überflüssigen Gegenstände – gerahmte schwarz-weiß-Fotos an den Wänden, ein üppiger Blumenstrauß neben der Bar – die wichtigste Dekoration sind die Gäste selbst, – oder der Stuhl, auf dem sie gesessen haben.

In jeder großen Stadt gibt es ein Bistro, das jeder kennt, wenn er seinesgleichen sucht. MANZINI hat’s – für viele zu allen Tageszeiten, obwohl dieser Stadtteil Berlins den Ruf einer „gesetzten Gegend“ hat, der durch die so genannten Wilmersdorfer Witwen geprägt wurde. Sie stehen für eine konservative Manzini - StuhlGesellschaftsschicht, sind alleinstehend und sehr vermögend. Sie leben in einer mit Antiquitäten eingerichteten, großen Altbauwohnung und gehen mit ihrem Schoßhund an der Leine einkaufen. Soviel zum beliebten Vorurteil. Es ist noch Zeit, mit dem Glas in der Hand, nach ihnen Ausschau zu halten.

Café Restaurant Manzini
Ludwigkirchstraße 11
10719 Berlin
Tel.: 030 – 88 578 20
Geöffnet:
täglich ab 8:00 Uhr
Warme Küche bis 1:00 Uhr

2 Gedanken zu „Va bene!

  1. Bystro bystro-wußte ich noch nicht.
    Eine Wilmersdorfer Witwe, die gerne eisgekühlten WeißWein trinkt und vielleicht Joachim Löw im Manzini trifft…

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