Menschen im Hotel

Wer hat in meinem Bettchen geschlafen? Wer hat in meiner Mini-Bar getrunken? Hat gar jemand von meinem Teller gegessen? Das fragen sich Menschen, die viele Nächte in Hotels verbringen. Immer nur zu Gast, einsam in den großen Städten. Wie privat können diese Übernachtungen in  fremden Zimmern sein, in denen ständig andere Menschen schlafen?

Wiederkehrer buchen stets das selbe Zimmer, um sich „irgendwie zu Haus“ zu fühlen. Dann fühlt sich nicht alles so fremd an. Das komplizierte Beleuchtungssystem muss nicht neu gelernt werden und die Zimmertür bekommt man dann auch mal auf, ohne gleich Alarm auszulösen und die Sprinkleranlage in Gang zu setzen. Eigene Dekorations-Stücke wie Familienbilder, Kerzenleuchter oder bunte Tücher über der Standardlampe verhelfen zu bescheidener Gemütlichkeit.

Es muss ja nicht gleich der eigene Kleiderschrank sein wie bei Udo Lindenberg, der seit 20 Jahren im Hamburger Hotel ATLANTIC wohnt. Dauergäste wie er gehören dort schon zum Inventar. Aber auch Gäste, die nicht ganz so lange bleiben, haben ihre lieben Gewohnheiten,  genießen in den großen Hotels den täglichen Room-Service und rufen gern für Alles den Concierge herbei. Luxus und Diskretion haben natürlich ihren Preis und ganz nach Anzahl der Sterne wird zur Kasse gebeten. Zwischen der  Präsidenten-Suite und der berühmten Besenkammer ist das Angebot vielfältig.

Die Lobby in größeren Hotels wie HILTON, ADLON , REGENT oder WESTIN GRAND ist wie eine Bühne, auf der sich auch immer häufiger Gäste einfinden, die nicht übernachten, sondern einfach die Atmosphäre genießen. Das Flair der Wartehalle ist dem Wohnzimmer gewichen. In Clubsesseln und auf weichen Sofas werden Biere, Schnäpse und  Cocktails aller Farben getrunken; Teestunde mit Gurken-Sandwich und Cheese-Cake ist ebenfalls beliebt. Sekt, Sherry und Chips, dazu sanfte Klänge vom Piano – was will man mehr? Hier können die Tag- oder  Nacht-Gäste große Auftritte und auch miese Abgänge erleben. Stars und Starlets, berühmte Künsterlinnen, Finanzmagnaten, Heiratsschwindler und Drogen-Barone – alle treten hier auf. Action ohne Ende.

Wohlklingende Namen haben nicht nur die Luxus-Hotels. Berlin hat ein weltbekanntes SAVOY-Hotel, das wegen seines altmodischen Charmes vor allem bei Filmschaffenden beliebt ist. Das integrierte Restaurant WEINROT ist in eben dieser Farbe eingerichtet und der Rotwein zum kleinen Mitternachts-Menu ist Stil und Pflicht. Das SAVOY, zwischen Bahnhof Zoo und Paris-Bar gelegen, war das erste Berliner Hotel, in dem jedes Zimmer ein Bad hatte. Selbst im ADLON gab es damals nur Zimmer, die über ein „indisches Bad“ verfügten, – ein Bad am Ende das Ganges.

Eine andere Berliner Spezialität ist das Treubleiben im Hotel. Wer im SAVOY kein Zimmer mehr bekommt, wird vom freundlichen Nacht-Portier auf die andere Kudamm-Seite verwiesen, in ein Hotel  mit einem Namen wie ein Mahnmal für Alleinreisende, von der Familie temporär Getrennte: BLEIBTREU. Wunderschön, von einem Designer durchgestylt und sehr zentral in einer Nebenstraße  des berümten Kurfüstendamms gelegen, hat das Hotel wirlich viel: Intime Atmo im Hinterhaus, Wellness-Bereich, ansprechendes Frühstücks-Ambiente, einen Skulpturen-Garten und Kunst in jedem Raum. Restaurants,Theater, Discos und Bars für jeden Geschmack sind keinen Steinwurf entfernt.

Die Menschen halten sich wohl so gern in Hotels auf, weil  sie dort Geschichten erleben, die zuhause gar nicht passieren können. Es wird erzählt, dass ein berühmter Sänger gern solo im BLEIBTREU anreiste, aber nicht allein blieb. Die Damen vom  Ballett hatten eine andere Konfektionsgröße als die Angetraute des Heldentenors, die ihn eines Tages begleitete. Der eilfertige Nacht-Portier, eher ein Nachtwächter, überreichte ihr ein Negligée, das sie angeblich vergessen hatte … seit diesem Vorfall werden vergessene Gegenstände nur auf  Verlangen ausgehändigt.

Dann ist man doch beim nächsten Berlin-Besuch froh, wenn man wieder ein Zimmer im SAVOY bekommt. Seinem Lieblings-Hotel schrieb der Verleger Ledig-Rowohlt ins Gästebuch: „Ja, ich bleib ihm immer treu – in Berlin sein heißt SAVOY“.

4 Gedanken zu „Menschen im Hotel

  1. Alles sehr schön und sehr gut.. Nur fehlt halt das Kleingeld dazu. Und so verweilt man etwas länger beim Text und den Fotos..

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