Kie-Ke-ri-kie!

Der Hahn ist tot. An sich nicht schlimm, es muss so sein. Sonst könnte er nicht in schön schwerer Rotweinsauce auf dem Teller liegen. Ein kleines Restaurant in Berlin-Mitte, zwischen Kastanienallee und Zionskirche gelegen, hat sich diese Feststellung vom toten Tier aufs Banner geschrieben. Der Untertitel  Ländliche Menüs sorgt für Klarheit. Es geht in jeder Hinsicht um das leibliche Wohl. Obwohl sich in dieser Gegend ein Restaurant ans andere reiht, ist es schwer, hier einen Termin zu bekommen, denn ausgebucht zu sein, ist neben dem köstlichen Essen auch eine Spezialität des Hauses.

Es liegt zweifellos am guten Konzept und der hohen Professionalität, dass die Gäste so zufrieden gehen, wiederkommen und Freunde mitbringen. Jeder Kunde ist ein Multiplikator. Feiert man nicht gerade mit mehreren Menschen an einem der wenigen größeren Tische, so gibt es ein Anwesenheits-Limit von zwei Stunden. Irgendwie verständlich, wenn dieser Preis gehalten werden soll: Vier Gänge für 21 Euro!

Ich  bin also in einem französischen Restaurant und krame im Vokabelschatz meiner letzten Reisen. Das freundliche Personal ist umsichtig und erklärt dem Neuling den Ablauf. Einen kühlen Crémant als Aperitif habe ich dann auch schnell auf dem blanken Holztisch stehen, der mit  schlichtem weißen Geschirr und geschliffenen Gläsern eingedeckt ist. Das Ambiente ist stimmig und angenehm. Eine gemusterte Oma-Tapete macht den hinteren Raum gemütlich; Leuchter,  Bilder, Buffet und Gestühl versprühen einen leichten Flohmarkt-Charme.

Ganz nach französischer Art habe ich bei Vorspeise und Hauptgericht die Wahl. Salat und Dessert kommen bei jedem Menü identisch. Ich entscheide mich für die bestens gewürzte Steckrüben- und Pastinaken-Suppe, von der ich mich aus dem großen, schwarzen Suppenkessel bedienen kann. Die aromatische Suppe wird ergänzt um Pistou, eine provenzialische Basilikum-Knoblauch-Paste, die in kleinen Gläsern neben dem Kessel wartet. Dazu wird  handwerklich gefertigtes Graubrot mit Butter gereicht. Dann ist es Zeit für die erste Zigarettenpause vor der Tür.

Der zweite Gang ist bei jedem Menü eine bauchige Glasschale voller Blattsalate, die man sich selbst anmischt. Quitten- und Estragonessig, Oliven- und Walnussöl stehen auf allen Tischen bereit. Granatapfelkerne und Puy-Linsen ergänzen die ohnehin gesunde Mischung. Für die große Schüssel ist auf dem Tisch kaum Platz, macht nichts, der Kellner stellt einen freien Stuhl vom Nebentisch für die Schale dazu.

Der souveräne Gastgeber erkundigt sich en passent, ob das Ergebnis bisher zufriedenstellend war. Mein Fassungsvermögen ist schon fast erreicht, aber nun kommt zart und frisch das Hauptgericht, das dem Namen des Restaurants wirklich Ehre macht: „Coq au Vin“  mit  anständigem Kartoffelgratin, Karotten, Zwiebeln und Paprika aus dem Ofen. Die Alternativen wären „Boeuf Bourginionne“, gegrillte Dorade oder ein vegetarisches Gericht gewesen.

Der perfekte Abschluss für dieses fast festlich zu nennende  Mahl ist die federleichte „Mousse au chocolat“ in kleinen Gläsern. Dazu bestelle ich mir nur zu gern einen Café Noir. Man soll sich ja hier so satt essen, dass man am Ende reif ist für einen Schnaps oder besser: Digestif. Aber der passte wirklich nicht mehr.

Angenehme Weine, die dem ländlichen Essen entsprechen, sind hier selbstverständlich. Aber alpenländisches Flaschenbier wird bei Bedarf auch ohne Protest verkauft. Hier passt eigentlich alles zusammen und entspricht dem Konzept des Hauses, schnörkellos zu kochen, voll und ganz: aus frischen Zutaten werden Klassiker gekocht, die viele Menschen mögen. Darum ist es normal, dass auf der Straße nach dem Essen der allseits bekannte Kanon angestimmt wird.

DER HAHN IST TOT!
Zionskirchstraße 40
10119 Berlin
Tel.:  030 – 657 067 56
Reservierung erforderlich
Geöffnet:
täglich von 18.30 Uhr bis 01.00 Uhr
Montag geschlossen

Bildnachweis. www.qiez.de

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