Der Schoko-Laden

„Wer Bitteres sucht, wird Feines finden“. So wirbt die traditionsreiche Berliner Schokoladenmanufaktur für ihre Produkte. War BITTER schon immer etwas feiner als Vollmilch, oder ist etwa BITTER das neue SÜSS? Die Modetrends im Lebensmittelbereich setzen sich auch auf dem Nasch-Sektor durch.

Der gelernte Konditormeister Erich Hamann hat die Rezeptur für die Schokoladen und das Konzept für eine eigene Manufaktur schon 1912 umgesetzt. Vom Hinterhof in Kudamm-Nähe entwickelte sich seine bitter-süße Idee  in Richtung Wilmersdorf. Das Haus in der Brandenburgischen Straße mit hygienisch-hellen Produktionsräumen und einem Ladengeschäft wurde 1928 bezogen. Kein Geringerer als H. Itten, ein angesehener Bauhaus-Künstler, entwarf die Einrichtung, die bis heute unverändert ist.

Die Reise in die Vergangenheit geht die gläsernen Vitrinen und Tresen-Schaukästen entlang. Die handgeschriebenen weißen Preisschilder haben etwas Rührendes.

Diese Blockschokolade wandert in den meisten Fällen in einen Topf mit heißer Milch, wo sie unter Rühren schmilzt und dann als heiße Schokolade serviert wird. Dieses Verfahren ist keine Pflicht in den Cafés, aber wer auf Qualität und Originalität hält, verwendet eben kein Gemisch aus der Tüte, sondern echte Schokolade. Blockschokolade ist pur ohne zusätzliche Aromen. Geschmacksrichtungen wie Tee, Ingwer, Apfelsine oder Mocca gehören aber auch hier mit ins Programm.

Die klassischen Tafeln in verschiedenen Größen sind wie auch die Konfektschachteln in leicht blau-grau kariertes Papier gehüllt. Die kleine blaue Seidenschleife um jeden Artikel ist ebenfalls ein Merkmal, das sich seit Jahrzehnten hält. Ein Wiedererkennungs-Effekt, der Heimat assoziiert, sagen die Marketing-Fachleute. Die Familie Hamann sieht es so, dass sie sich bis in die Enkelgeneration treu geblieben ist und noch immer für Qualität und Arbeitsplätze am Ort sorgt. Das Hamann-Haus – in städtebaulicher Wüste – ist täglich Pilgerstätte für Schoko-Fans aus allen Richtungen, Ortschaften, Schichten und Berufen. Mokkabohnen, Borkenschokolade und Marzipan im Anschnitt, das sind die Renner seit Jahrzehnten.

Ob persönlicher Genuss mit zwei Trüffelpralinen zum Nachmittagscafé oder der Berliner Pralinen-Geschenkpackung für die ausgewanderte Tante in Übersee, als Firmen-Präsent oder bitter-süße Überraschung zum Jahrestag – die Hamann-Auswahl kommt gut an. Sie wird seit einiger Zeit um Flüssiges ergänzt. Der hausgemachte Ingwer-Likör ist ja gesund! Warum immer nur mit bitterer Schokolade überzogene Ingwer-Stäbchen aus der Cellophantüte? So ein exotisches Konfekt war vor 40 Jahren der Renner im Hause Hamann, ähnlich wie die in Kuvertüre getauchten Kirschen, die in Cognac mariniert werden. Bittere Schokoladen herzustellen, heißt nicht, dass es nur Artikel für Erwachsene gibt.

Mit bunter Folie dekoriert sehen der Berliner Bär und andere Artikel für die Kleinen sehr ansprechend aus. Der Kakaoanteil ist hier vielleicht nicht 60 oder 70 Prozent, sondern kindergerecht liegt er eher bei  4 bis 50  Prozent. Mit anderen Worten, das Süße ist süßer.

Produktion und  Genuss nicht in Massen, sondern in Maßen,  – das war das Anliegen von Erich Hamann aus Memel, der in Berlin vom Conditor zum Chocolatier wurde und sein Qualitätsbewussten wie auch  seinen guten Geschmack in guter Tradition in der Familie bewahren und weitergeben konnte. Beruhigend, dass es neben den vielen „Start Ups“ auch diese Form von Unternehmen noch gibt. Bittere Schokolade hat eigentlich immer Konjunktur, auch wenn freche Zungen behaupten: 9 von 10 Menschen lieben Schokolade. Der Zehnte lügt. Erich Hamann hätte das unterstrichen, denn seine vieldeutige Maxime war ja, Bitteres durch Süßes zu erhalten. Ein kluger Mann.

ERICH HAMANN KG
Brandenburgische Straße 17
10707 Berlin
Tel.: 030 – 873 20 85 / 86
Geöffnet:
Mo. – Fr: 9 – 18 Uhr,
Sa: 9 – 13 Uhr

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