Waldeslust

Ein zünftiger Spaziergang im Berliner Südwesten führt immer durch den Grunewald. In den Zehlendorfer Mietverträgen scheint ein Stück Natur garantiert zu sein. Der laute Alexanderplatz ist weit weg; hier im Forst ist es ländlich-beschaulich. Autos müssen draußen bleiben, Fahrradwege sind ausgeschildert und stolze Pferde beim Sonntags-Ausritt kennen die Wege. Nach einigen Kilometern als Läufer, Geher oder Reiter stellt sich aber das ein, was auch unsportliche Menschen kennen: Hunger und Durst. Allein der Anblick des ländlichen Restaurants WALDHAUS weckt Vertrauen und reguliert den Kreislauf wieder.

Seit 1902 gibt es hinter dieser heimeligen Fassade Gastronomie. Die Küche erfüllt  mit regionalen Produkten die Gästewünsche nach bodenständigen Gerichten, die  saisonal abgestimmt sind: Der Beelitzer Spargel lockt die Wanderer von April bis zum 24. Juni, dann folgen die frischen Pfifferlinge von Juli bis September. Im Oktober gibt es Wild aus brandenburgischer „Jagd“ und ab November schließen die Freiland-Gänse  dann  bis Januar den Kreis. Für Familiensteffen mit feinem Saison-Essen empfiehlt der Küchenchef eine Reservierung, damit keiner zu kurz kommt.

Begleitende Weine sind selbstverständlich und werden vom fachkundigen Personal gern dazu empfohlen. Die meisten Weine aus der Karte sind auch im Ausschank, was sehr für die gut geführte Bar spricht.

Das Traditionsrestaurant mit Grunewald-Flair hat 60 Innen-Plätze und verfügt über einen sehr einladenden Sommergarten unter märkischen Kiefern und alten Eichenbäumen. Das Buchenholz für den Grill wird bis zum Saisonbeginn von einer Chaplin-Figur bewacht; der tiefblaue Berliner Bär war zu lange am Tresen.

Das gut geführte Restaurant hat nicht nur Freizeit-Gäste. Tagungen, Seminare oder zum Beispiel ein Architekten-Workshop werden hier gern abgehalten und kulinarisch betreut. Für diese Berufsgruppe ist  hier die Lage zwischen Gemütlichkeit und Avantgarde ideal. Das WALDHAUS wurde natürlich nicht von Bruno Taut entworfen, sein Name steht für die Waldsiedlung Zehlendorf in unmittelbarer Nähe. Zwischen 1926 und 1931 wurde nach Tauts Entwürfen diese moderne Siedlung mit über 1.000 Wohneinheiten in der Nähe der U-Bahn-Station Onkel Toms Hütte angelegt. Der einstige Villen-Vorort am Grunewald bot ausreichend Fläche für das damalige Experiment.

Die Umsetzung von Architektur in der Natur war das Anliegen des großen Architekten, der damals auch schon Farben ins Spiel brachte. Der Volksmund hat für die bunten, hellen Häuser das Wort Papageien-Siedlung geprägt.

Im Laufe der Jahre zogen viele Architekten und Stadtplaner in diese Gegend. Zu Ehren des großen Vorbildes wurde in der Ladenpassage neben der U-Bahn-Station ein Bruno-Taut-Laden eingerichtet, der Treffpunkt für die Belange der Siedlung ist.

Der Name der U-Bahn-Station und der Straße, in der sich das WALDHAUS befindet, geht auf ein Ausflugslokal in dieser Gegend zurück, das 1885 eröffnet wurde. Es trug den Namen  „Onkel Toms Hütte“, nach einem Roman von H.B. Stowes, der sich mit dem afroamerikanischen Sklavenproblem beschäftigte. Es besteht kein Anspruch auf logische Zusammenhänge. In der Gastronomie wurde wohl früher gearbeitet wie in der Sklaverei ….

Restaurant Waldhaus
Onkel-Tom-Straße 50
14169 Berlin-Zehlendorf
Tel.: 030 – 813 75 75
Geöffnet:
Montag – Freitag: ab 17:00 Uhr
Sa./So./Feiertag:: ab 12:00 Uhr

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