Schnelle Esser

Sie sind zurück. Einst wurden sie schief angesehen, aber noch viel lieber wurden sie von der Welt der Küche ignoriert. Fast Food/Schnelles Essen wurde angeblich von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnt, weil es mit den fettigen, salzigen oder süßen Industrie-Zutaten schrecklich ungesund sein sollte. Currywürste, Pommes mit Mayo Rot-Weiß, Bockwürste und Wiener, Frankfurter, Bregenzer und auch Weißwürste ambulant verzehrt, waren etwas für die Unkultivierten. Essen im Vorübergehen gal nicht als normal, wie heutzutage. Inzwischen lebt eine ganze Branche (sehr gut!) vom schnellen Futter.

Die schlimmste öffentliche Kritik jedoch galt dem Hackfleischlappen, der in ein weiches Brötchen eingeschlagen, vor vielen Jahren als „Hamburger“ seinen Siegeszug in deutschen Landen antrat. Der Klops hat ideologische Bedenkenträger nie ganz verstummen lassen, denn Kulturbürger wollten sich nicht mit dem standardisierten Speiseangebot identifizieren. Halbe Brötchen, flache Bulette, Gurkenscheiben, Tomatenketchup, Senf und Zwiebelringe, fertig war der American Way of life. Plötzlich gab es einen Run auf diese Schnell-Restaurats mit dem strahlend gelben „M“, die in jeder großen Stadt zu finden waren. McDonalds wurde ein Umsatzriese, der vorgab, ein Familienrestaurant zu sein.

Die Weichen für die schnelle Ernährung der mobilen Gesellschaft waren gestellt. „Nur keine Zeit verlieren“ schien das neue Motto zu sein. Es folgten 5-Minuten-Terrinen, Fertiggerichte aus Dosen, Folien und Tiefkühlfächern. Vorbei war die Zeit von Gerichten, die in Echtzeit gekocht wurden. Bye-bye Schweinebraten mit Rotkohl, Eisbein mit Sauerkraut und Rouladen mit Erbsen und Möhren. Kartoffelklöße, Sauerbraten, Bohnensuppe – alles unmodern. Instant Essen wurde modern. Alles nur noch mit heißem Wasser aufgießen und quellen lassen, dann mit Plastiklöffel direkt aus der Packung essen. Hauptsache schnell. Mit der Nahrungsaufnahme sollte keine wertvolle Arbeits- oder Freizeit vergeudet werden.

Das konnte ja nicht gut gehen. Biomärkte, Delis, Sauerteig-Bäcker, Veganer-Shops, Smoothie-Bars und Kornmühlen waren jetzt dran. Überall Natur. Pop-Stars wie Jamie Oliver oder Tim Mälzer schüchterten uns ein und behaupteten, dass Staudensellerie die Thüringer Bratwurst ablöse. Keine Transfettsäuren und Fertigpizza mehr, dafür Foodwatch und Kräuter-Kuren. Wir sollen Wirsing-Chips, getrocknete Rindfleisch-Streifen oder Chia-Samen-Riegel essen. Es würde schon Sinn machen, denn mehr als die Hälfte unserer Mitbürger ist zu dick.

Neue Studien zeigen zwar, dass die Deutschen über gesunde Ernährung reden – aber essen tun sie etwas anderes. Anstrengende Jahre liegen hinter uns, in denen alle zwei Monate eine neue Ernährungs-Religion geboren wurde. Das Geschäft mit Gesundheit und Bewusstsein läuft bestens. Aber dennoch sehnt sich der Gegenwartsmensch danach, seinen Magen zu beruhigen und nicht sein Gewissen. In einer Party-Nacht möchte er an der nächsten Ecke herzhaft in einen Döner beißen oder eine große Portion Pommes Frites zur Cola verzehren.

Das Selbstbild des Schnellen Essers ist nicht mehr negativ, denn er ist nicht allein. Eine Trendwende ist in Sicht. Jahrelang haben die Tatort-Kommissare es uns am Sonntagabend vorgemacht: Wenn der „Fall“ gelöst schien, wurde an einer mobilen Wurstbude mit Flaschenbier angestoßen und der verbruzzelte Hamburger oder die Currywurst ‚extra scharf‘ auf Papptellern schmeckte den Kriminalisten deutlich besser als das Angebot in der Polizei-Kantine. Dort konnten auch die angesagten „Gesundheitswochen“ den Schnellen Esser nicht halten. Er liebt nun mal keine Buchweizengrütze, sondern die Noodle-Box vom Asiaten, der gleich nebenan mit rosa Neon-Schrift Reklame für chinesische Massage macht.

Das Stück Pizza to go ist wieder genau so beliebt wie Leberkäse oder Fisch im Brötchen. Die Bockwurst mit Kartoffelsalat ist ein ebensolcher Klassiker wie das halbe Grill-Hähnchen mit knuspriger Haut. Zeitgemäße Kost? Vermutlich gilt auch hier eine uralte Regel: Nur das Übermaß ist schädlich. Wer sich nur von Fast Food ernährt, wird bald aussehen wie ein Fleischklops. Und wer täglich freudlos Sauerampfer und rechts drehende Milchsäure schlürft, hat es auch nicht leicht mit dem Spiegelbld.

Der Schnelle Esser hat natürlich auch etwas Süßes im Programm. Zum Bewusstsein, dass Schokolade verlorene Energie zurück gibt, gesellt sich der Gedanke, dass Schokolade schlau machen könnte. Es wurde bereits darüber berichtet …. Egal welche Frage – die Antwort ist: Schokolade!..

3 Gedanken zu „Schnelle Esser

  1. Ja, schnelles Essen ist nicht mehr aufzuhalten und sicher wird es eines Tages unter die olympischen Wettbewerbe aufgenommen. Was ich noch vermisse, ist ein Schnellverdau-Food.

  2. Tja, wieder ein guter Artikel zum Nachdenken … übrigens: was ich super gern mag, ist eine leichte asiatische Küche – Gemüse, gedünstet im Wok, das ist auch schnell und gesund – wird ja in vielen Asia-Läden angeboten…
    das ist besser als Burger…
    Hannah

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