Hallo Onkel Albert!

Kennen Sie diesen Onkel? Er trägt eine Brille mit runden Gläsern, um den Hals eine gebundene Fliege und um sich selbst einen Frack, als wolle er gerade zum Opernball gehen. Außerdem kann er bis unter die Zimmerdecke fliegen – der Onkel Albert aus dem Musical-Film „Mary Poppins„. Scheinbar ist er der Geschichte direkt entflogen. Flatterte um den Berliner „Pfefferberg“ im Prenzlberg und vergnügt sich nun am Kinder-Lachen in der Zionskirchstraße, denn hier ist das KINDERSPIELCAFÉ, ganz nah an der U-Bahnstation Senefelderplatz. Ein helles Kinderlachen war es auch, was mich dort vom Rad steigen ließ. Außerdem war es kurz vor Zehn, Zeit für meine 2. Tasse Kaffee. Ich setzte mich an den Fliegenpilz-Tisch draußen neben der Tür und erfreute mich an der Herbstsonne. danach wollte ich eintreten und meinen Kaffee bestellen, doch eine niedrige Gittertür mit liebevollem Willkommensgruß versperrte mir den Weg. „Hallo, die Tür ist von innen verriegelt – wegen der Laufkinder„, wurde mir zugerufen. Die Chefin lächelte mich milde an. etwas verunsichert fragte ich nach Kaffee und deutete auf den Fliegenpilz draußen. Lächelnd sagte sie: „Wie Sie sehen, befinden Sie sich in einem Kinderspielcafé, hier krabbeln nicht nur Kinder, hier lernen sie auch laufen“! Tatsächlich ist alles hier für Kinder gemacht und Erwachsene müssen achtsam sein. Das verstand ich gut und wurde freundlich empfangen.

Stephanie Dornbusch, Mutter von Charlotte (3. J.) und Till (6 Mo.) ist seit 3 Jahren Inhaberin dieser hübschen Café- und Spieloase mitten im kinderturbulenten Berliner Prenzlauer Berg. Ursprünglich ließen sich in den Räumlichkeiten Hunde frisieren, erfuhr ich. Welche Wendung! Jetzt beginnen hier, in einem der ersten Berliner Kinderspielcafés die Kleinkinder mit der Entdeckung der Welt. – sehr zur Entspannung der gesamten Verwandtschaft, die hier bei Kaffee und Kuchen, Tee, frisch gepressten Säfte, Waffeln, Milchreis und Müsli den Nachwuchs betreuen und bewundern kann.

Die Mütterfangemeinschaft scheint sich zu kennen, denn die Mamas begrüßen sich herzlich. Dann kennen sich also auch die kleinen Prinzen und Prinzessinnen vom Prenzlberg: Karl, Fritz, Elyas, Silas, Carlotta, Antonia, Paula und Emma.

Ich schaute mich um. Im Sandkasten am Eingang lag das Buddelbesteck bereit. Eine Treppe tiefer sprangen Bälle, eine Treppe höher wollte gerade Kleinwolfgang nicht so wie Vater wollte. Ja, Väter kommen mit ihren Lütten auch. Meist dienstags. Wieso? Darauf konnte selbst Stephanie sich keinen Reim machen. Aber auch sonst ist hier an bestimmten Tagen großer Zirkus und Onkel Albert hängt lachend an der Decke. „Neulich erst verlegte ein Opa seine Geburtstagsfeier mit Enkeln und Urenkeln hierher zu uns. Die Meute von 40 Gästen wollte er nicht zu Hause haben!!“ berichtete Stephanie. „Da musste Heike Makatsch mit ihren beiden Süßen an diesem Tag mal eine Auszeit nehmen“, fügte sie heiter hinzu. Oha! Außerdem werden hier Taufen gefeiert. Dann kommt das Theater Lakritz zu Besuch und bringt DORNRÖSCHEN mit“ – erzählte die Inhaberin weiter drauf los.

Wir gingen über die kleine Treppe ins obere Spielzimmer. Alles ist bunt und sauber. Ein Säugling nuckelte gerade an Mutterns Brust. Ich wünschte guten Appetit und stand dann vor einer geheimnisvollen Tür. Ich öffnete und sah, dass hier die Fetzen fliegen, denn das tapfere Schneiderlein hat hier sein Reich. Stoffballen türmen sich. Schnittmuster liegen aus und daneben wartet die große Schere auf ihren Einsatz. Hier also werden die Kleidungsstücke entworfen und geschneidert, die im Spielcafé draußen wie drinnen zum Kauf angeboten werden. Janine Pönisch hat hier mit ihrem „LIVIShop“ den richtigen Arbeitsplatz gefunden! Mütter (und auch Väter!) in ganz Europa interessieren sich für ihre Produkte.

Der Blick in diese herrliche kleine Kinderwelt hatte meinen Kaffee auf dem Tresen kalt werden lassen. Ich nahm ihn trotzdem, bedankte mich für die Führung und steuerte wieder draußen auf meinen Fliegenpilz zu. Die Sonne wärmte die schöne Kastanien-Dekoration auf dem Nebentisch und meinen Kaffee in der Tasse. Ich schielte zu den Kastanien und dachte: wie konnte ich damals nur so dumm sein und die Streichhölzer gegen ein Feuerzeug tauschen. Wie gerne würde ich jetzt Kastanienmännlein basteln und sie stolz Onkel Albert zeigen.

Onkel Albert
Kinderspielcafé

Zionskirchstraße 63
10119 Berlin
Tel.: 030-44045610
Mo. – Fr.: 10 bis 19 Uhr
Sa. + So.: 14 bis 19 Uhr

LIVIShop
Janine Pönisch

Spreegold im Bötzowviertel

„Guten Tag, bitte 1 Kilo Spreegold“ – das wäre doch mal ein ungewöhnlicher Posten auf dem Einkaufszettel ….. man kann in diesem gemütlichen-modernen Bistro zwar alles „außer Haus“ erwerben, aber für meine Gold-Marie habe ich heute leider kein typisches Gericht gefunden. Aber mit Fantasie und der freundlichen Unterstützung des geschulten Personals klappt es dennoch: Trüffel-Stullen! Nicht mit Gold aufzuwiegen. Dieses wahre Gaumengold ist bei den Gästen in der Hufelandstraße schon seit einiger Zeit „der Renner“ und hat bereits Kult-Status, erfahre ich. Schön, man gönnt sich ja sonst wenig. Ich ordere zwei gut verpackte Goldstullen und verweile noch in der Herbstsonne, in eine warme Decke gehüllt, auf den Außenmöbeln. Eine der vielen Kaffee-Spezialitäten und ein großes Stück von Brigittes selbstgebackenen Käsekuchen wirken beruhigend, während ich über die Trüffel im bewegten BötzowKiez des Berliner Prenzlauer Berges nachdenke. Habe ich überhaupt schon einmal Trüffel gegessen? Forsche ich im Oberstübchen nach ….. besteht eventuell Suchtgefahr, wie bei anderen Lieblingsgerichten? Bis März ist Trüffelsaison – lerne ich hier. Na dann ….. es müssen ja mal außergewöhnliche Reize her – denn dass die Goldlöckchen-Frau auf dem Holland-Rad hier völlig barfüßig herum kurvt, haut mich nicht wirklich um. So ist das Publikum im Kiez, immer ein bisschen anders, immer jung und sofort zur Stelle, um sich unter alten Ahornbäumen zu präsentieren. Wenn sie gleich eines der wunderbar duftenden Pasta-Gerichte im SPREEGOLD probiert, wird ihr sicherlich warm.

Bei der Zubereitung der immer frischen Speisen herrscht totale Mitbestimmung. Auch das Würzen obliegt dem individuellen Geschmack. Es gibt viele attraktive Gewürze, bei denen man freie Hand hat. Also Chilly bis der Arzt kommt. Oder das nächste Glas Bötzow-Pils. Das umfangreiche Angebot an Speisen und Getränken hat eine übersichtliche Mitte, so dass sich die Gäste auf ein reduziertes, festes Angebot verlassen können, vieles andere kommt saisonal hinzu! Knack-frisch vom Römersalat bis zum Rinderfilet-Streifen. Das alles wird hier nicht mit Goldstücken bezahlt, sondern nur mit langweiligen Euronen.

Das SPREEGOLD-Konzept ist seit 2009 so erfolgreich, dass es in der goldenen Mitte unserer Stadt bereits ein Stammrestaurant nah am Alex gibt. Rosa-Luxemburg-Str. 2 ist die geschichtsbewusste Adresse dieses exklusiven Restaurants, das mittags von vielen Geschäftsleuten besucht wird und über den Tag verteilt natürlich von vielen Weltenbummlern, die es auf gesunde und schmackhafte Kost abgesehen haben. Die feinen und frischen SPREEGOLD-Gerichte machen nicht müde, ganz im Gegenteil! Eine gute Unterstützung für den langen Arbeitstag oder die hungrigen Europa-Express-Touristen aus aller Welt. Goldene Zeiten für Genießer!

CAFÉ SPREEGOLD
Hufelandstraße 20
10407 Berlin
Mo. – Fr.: 7 bis 22 Uhr
Sa. + So.: 8 bis 22 Uhr