Es wimmelt bei Wandel

Wandel - TitelHochbetrieb im Häusermeer, einige Schritte vom „Alex“ entfernt. So etwas hat man lange nicht gesehen: Gefühlte 300 Personen wollen zur gleichen Zeit essen und trinken. Es wuselt und wimmelt. Das Bild erinnert mich an die bunten „Wimmelbücher“ der Nachbarskinder. Auf den großformatigen Seiten der Kinderbücher passiert auch alles auf einmal, und das Auge muss sich kleine Ausschnitte zum Verweilen suchen. In dieser riesigen Kantine ruht mein Auge für den Moment auf einem chinesischen Koch, der an seiner Wok-Station klein geschnittenes Fleisch und Gemüse für sein angekündigtes Tagesgericht brutzelt. Die Freunde der fernköstlichen Küche bilden bereits eine lange Schlange. Aber das ist nur EINE Abteilung im vielfältigen Restaurant WANDEL in Berlin-Mitte, wie es zentraler nicht liegen könnte. In diesem Umfeld befinden sich viele Bürohäuser, Behörden und Verwaltungen. Das WANDEL scheint für alle zusammen die gemeinsame Kantine zu sein. Gleichzeitig ist das Restaurant für jedermann offen. Ab 7.00 Uhr ist hier Frühstück mit allen Schikanen angesagt. Vom Coffee to go und Buttersemmel für die Schreibtisch-Schublade bis zum Rührei mit Speck und Schnittlauch. Der Metropolen-Mensch frühstückt eben am liebsten unterwegs. Weiterlesen

Vorsicht: heiße Suppe!

Hilfe, die Tram legt sich quietschend in die Kurve und bereitet mir einen unfreiwilligen Suppengenuss. Mein Ellbogen hängt doch wirklich in einem großen Becher warmer Currysuppe, die intensiv nach Kantine riecht. Für Sekunden stehe ich in Schock-Starre, aber da wird auch schon neben mir die Entschuldigung hinter einem Plastiklöffel gemurmelt. Die hungrige Mitfahrerin hat auch nicht mit dem Schwung in der Kurve gerechnet. Langsam gewinne ich den Eindruck, dass es völlig unmodern geworden ist, zu Hause zu essen, denn um mich herum wird geschmatzt, geschlürft, gekaut, getrunken, gegessen, abgeleckt, probiert, verworfen, runtergeschluckt und ausgespuckt. Ob man die Suppe im Rücken spürt oder seine Schuhe nicht mehr sehen kann, weil ein Döner-Innenleben darauf gefallen ist – ich finde, dass die rastlose Gesellschaft übertreibt.

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