Captain FLINT & Mister WATSON

Ksenia - Portraithaben bei der Namensgebung dieses Cafés Pate gestanden. Mehr aus einer Laune heraus als aus einer praktischen Überlegung stand der Name „meines zweiten Kindes“ plötzlich fest. Die hübsche Ukrainerin aus Kiew erzählt lachend über ihren Weg in die Selbständigkeit. Während sie an der imponierend großen Siebträgermaschine La Marzocco hantiert, ist ihr erstes Kind, Adrian, in einer Kita gut untergebracht. Weiterlesen

Tewje, der Milchmann

Milchmanns - draussen Ecke2Wer kennt ihn nicht? Den jüdischen Milchmann aus ANATEVKA, der sich bemühte, seine drei Töchter gut zu verheiraten, weil die Familie arm war. Während er den Milchkarren zog, träumte er: „Wenn ich einmal reich wär ….“
Die Zeit der Milchkarren ist auch in unserer Region längst Vergangenheit, aber leider damit auch die darauf folgende Zeit der gemütlichen Eckläden, so wie MILCHMANNS, in denen man ein altmodisches Milchgeschäft vermuten könnte. Weiterlesen

Déjà vu – schon erlebt

Im französisch beeinflussten Berlin treffe ich häufig auf Begriffe, die aus Napoleons Zeiten stammen und in den normalen Sprachgebrauch übernommen wurden. Abgesehen davon, dass der Kaiser der Franzosen in diesem Restaurant auch ein „déjà vu“ hätte und nichts auf der Speisekarte vor ihm sicher wäre – hier geht es mal nicht um Historisches. Dieses Restaurant in Pankow, ganz versteckt hinter einer Hecke an der Häuserschlucht der Binzstraße, ist ein guter Tipp, um Erinnerungen an den Frankreich-Urlaub nachzuschmecken, noch einmal zu erleben, wie es war, bei gutem Essen in vertrauter Runde zu sitzen, den roten und weißen Wein vom Fass zu genießen – genau wie „schon gesehen“. Denn das wäre die korrekte Übersetzung von „déjà vu“. Weiterlesen

Herzhaftes aus Pankow

An der Grenze zum Bezirk Prenzlauer Berg beginnt das normalere Berliner Leben mit guter Hausmannskost. Die Stadt verändert sich auch in dieser Gegend sehr schnell, darum sehnt man sich doch manchmal nach Bodenständigkeit. Schon kurz vor Elf duftet es nach frisch gebratenem Schnitzel mit Mischgemüse und Kartoffeln (4,50 €), Schweinebraten mit Rotkohl (5,- €) oder Blutwurst mit Sauerkraut (4,80 €).

Mit Appetit betrete ich Herrn Eplers Fleischerladen und schaue sofort auf die Tafel mit den Tagesangeboten. Heute gibt es sogar meinen Lieblings-Eintopf: Grüne Bohnen mit Rindfleisch. Für 2,50 € werde ich davon den ganzen Tag satt sein. Der üppig gefüllte Teller steht dampfend vor mir. Hmmm….., dieser Duft nach Bohnenkraut trägt mich in Gedanken in den Garten meiner Oma. Ein donnerndes „Guten Hunger“ reißt mich aus meinen Träumen. Das Kesselgulasch neben mir steht auf der gestreiften Plastikdecke und wird von einem Bauarbeiter verzehrt, der gerade seine Pause macht. Er muss zehn Schritte weiter an diesem aufgerissenen Abschnitt der Berliner Straße (in Höhe U-Bahn Vinetastr.) arbeiten. Wir kommen schnell ins Gespräch und ich kann nur „Guten Hunger“ zurückwünschen, denn bei ihm gibt es zum Nachtisch 2 deftige Mettbrötchen, auch „Maurermarmelade“ genannt. Ein Kollege von der Straße kommt noch dazu und bestellt eine große Portion Kartoffelsalat mit 2 Buletten, sogenannte „Gewerbe-Pralinen“. Ich lerne schnell und gern, wenn es ums Essen geht.

Bei einem Kaffee, ganz ohne alles, erkundige ich mich, was der Speiseplan am nächsten Tag bieten wird. Eisbein (Preis nach Gewicht) mit Sauerkraut soll es geben. Da muss ich früh aufstehen, damit ich eins erwische, denn dieses beliebte Alt-Berliner Gericht „ist schnell aus“, sagt die Fleischersfrau. Hier essen viele Leute aus der unmittelbaren Umgebung, die keine Lust (mehr) haben, selbst zu kochen, oder die, die keine Zeit mehr finden, weil der Einzelhandel bis in die Nacht geöffnet hat. Es gibt viele unterschiedliche Gründe für ein warmes Mittagessen. Das gibt es hier normalerweise von 11 bis 14 Uhr. Warme Wurst oder Bulette mit Kartoffelsalat meistens bis Feierabend um 18 Uhr.

Der jetzige Jung-Meister hat das Geschäft hier in Pankow von seinem Vater übernommen, der schon zu DDR-Zeiten diesen Stadtteil mit Produkten aus eigener Schlachtung versorgte. Der ehemalige HO-Laden hat natürlich eine komplette Renovierung und Neu-Ausstattung hinter sich, aber die Liebe zum Handwerk und das heimelige Nachbarschaftsgefühl vor und hinter dem Tresen sind geblieben. Viele Kunden und auch die Mitarbeiterinnen hoffen, dass es so gut weitergeht. Das werde ich unterstützen und mir zu meiner nächsten Feierlichkeit den dort angebotenen Party-Service kommen lassen. Alles aus eigener Produktion. Ich sehe die Aufschnittplatten mit Salami, Roastbeef, Kassler, Fleischsalat, Schweinelendchen und gekochtem Schinken schon vor mir. Meine Gäste sollen es auch mal gut haben. Für Gemüter wie mich werde ich noch eine Extra-Portion Kartoffelsalat und Bockwürste bestellen. Wenn es sein muss auch Wiener, Frankfurter, Krakauer und Lyoner. Und Senf aus Bautzen. Keine Frage, auch im Norden von Berlin sind wir international!

Fleischerei Frank Epler
Berliner Straße 92
13180 Berlin
Tel.: 030-4715203